„Geschlechterordnung der Moderne. Zur Theorie und Praxis der ‚Frauenfrage‘ in der Sozialdemokratie des Deutschen Kaiserreichs“

Das Promotionsprojekt zielt auf eine theorie- und ideengeschichtliche Neuinterpretation des Forschungsfeldes „Sozialdemokratie und Frauenemanzipation“. Im Zentrum der Arbeit steht die Frage, wie sich die im Kontext der Moderne aufkommende „Frauenfrage“ auf theoretischer und praktischer Ebene in der Sozialdemokratie des Deutschen Kaiserreichs artikulierte? Unter Rückgriff auf eine historisch-materialistisch inspirierte Politikanalyse gliedert sich die Arbeit in drei Teilstudien. In der ersten Studie wird herausgearbeitet, wie die Transformation der Geschlechterordnung im Übergang zur Moderne die „Frauenfrage“ als politisches Konfliktfeld, in dem eine Vielzahl von politischen Akteur*innen um Hegemonie rang, dialektisch hervorbrachte. Die zweite Teilstudie analysiert die spezifische Gestalt und Entwicklung der „Frauenfrage“ in der marxistischen Theorie. Dabei wird angenommen, dass die „marxistische Frauenemanzipationstheorie“ in einem Spannungsverhältnis zwischen liberalem Ursprung und historisch-materialistischer Neuorientierung entstand. Die dritte Teilstudie widmet sich schließlich der „Frauenfrage“ aus der Perspektive der sozialdemokratischen Praxis. Mit besonderem Fokus auf die sozialdemokratischen Frauenkonferenzen wird die These elaboriert, dass die räumliche Praxis der proletarischen Frauenbewegung notwendig war, damit diese im strukturell sexistischen Milieu der Arbeiterbewegung bestehen und politisch wachsen konnte.

Fachbereich: Politische Theorie und Ideengeschichte, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Erstbetreuer: Prof. Dr. Harald Bluhm (MLU Halle)
Zweitbetreuer: Prof. Dr. Frank Jacob (Nord University)
Förderung: Promotionsstipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung seit Oktober 2019