CfP: “Töchter ihrer Klasse?”

Proletarische Frauenbewegung im Deutschen Kaiserreich und der Weimarer Republik / Schwerpunktheft ABG

Vollständiger CfP: https://www.arbeit-bewegung-geschichte.de/toechter-ihrer-klasse-proletarische-frauenbewegung-im-deutschen-kaiserreich-und-der-weimarer-republik/

Unser Wissen über die Geschichte der proletarischen Frauenbewegung ist bis heute von unterschiedlichen Forschungslücken geprägt. Während ihr historischer Kern im Kampf von Arbeiterinnen um politische, ökonomische und soziale Gleichberechtigung und Emanzipation der späten Kaiserzeit und der Weimarer Republik liegt, fand die Intensivierung ihrer Erforschung vorrangig in der Bundesrepublik der 1970er und 80er Jahren statt. Herausragend sind hier Autor:innen wie Elisabeth Haarmann, Heinz Niggemann, Sabine Richebächer oder auch der britische Historiker Richard Evans zu nennen. Seitdem scheint das Forschungsinteresse an diesem Gegenstand massiv abgenommen zu haben – woran auch die Jubiläen der 100jährigen Ausrufung der Weimarer Republik 2019 oder der 150jährigen Gründung des Deutschen Kaiserreichs 2021 nichts geändert haben.

Trotz einer gegenwärtigen Renaissance der Frauengeschichtsschreibung, die sich in prominenten Buchveröffentlichungen und verschiedenen Podcast-/Twitter-Projekten zeigt, steht ein dezidierter und analytischer Blick auf das proletarische Frauenbewegungsspektrum in all seinen Facetten noch aus. Darunter fassen wir diejenigen Akteurinnen, die sich ihrem Selbstverständnis nach zur proletarischen Frauenbewegung gezählt haben. Die jüngere Forschung hat bereits ihre Perspektiven erweitert, um der Heterogenität der Frauenbewegung im Kaiserreich Rechnung zu tragen. Einige Ansätze präferieren zudem dekonstruktive Sichtweisen und diskutieren die Tauglichkeit der Einteilung in beispielsweise „bürgerlich“ oder „proletarisch“ zur Beschreibung der Bewegung. Insgesamt lassen sich für den Diskurs aber zwei durchaus problematische Fluchtpunkte ausmachen: Erstens muss kritisch hinterfragt werden, warum Eigen- und Fremdbeschreibungen von Bewegungsakteurinnen als solche nicht ernst – wenngleich kritisch kontextualisiert und auf Validität geprüft – genommen werden. Zweitens führt dieser dekonstruktivistische Ansatz in der Forschungspraxis tendenziell dazu, proletarische Aktivist:innen aus Bewegungen herauszuschreiben bzw. zu marginalisieren.

Diese Beobachtungen sind Anlass für das geplante Schwerpunktheft. In diesem soll der Vielfalt der proletarischen Frauenbewegung nachgespürt werden. Der zeitliche Schwerpunkt liegt auf dem Deutschen Kaiserreich und der Weimarer Republik, um Kontinuitätslinien und/oder Brüche zu verfolgen. Uns ist es ein Anliegen, den Blick von den Führungsfiguren auf die Aktivistinnen der zweiten Reihe zu richten, Widersprüche auszuhalten und intersektionale Perspektiven stärker einzubeziehen. Das könnte bestenfalls zu einer neuen Phase der Multiperspektivität in der historischen Forschung zur Frauenbewegung beitragen.

Wir rufen zur Einreichung von Beiträgen auf, die unterschiedliche Perspektiven auf den und Zugänge zum Forschungsgegenstand entfalten. Dabei ist eine Vielzahl von Themenbereichen von Interesse. Dieser sehr breite Zugriff auf den Forschungsgegenstand wird durch die Auswahl geeigneter Beiträge schließlich in eine kohärente Form gebracht.

Wir bitten um die Einreichung aussagekräftiger Exposés bis zum 31. März 2022 im Umfang von bis zu 2.500 Zeichen, aus denen Thematik, Methode und Quellenbasis des geplanten Artikels hervorgehen. Auf Grundlage der Exposés werden wir gezielt Beiträge anfordern. Die Abgabefrist für die ausgearbeiteten Artikel ist der 31. Oktober 2022. Alle Beiträge durchlaufen vor der Veröffentlichung ein internes Begutachtungsverfahren (review), erst nach Einreichung und Begutachtung der Endfassung erfolgt die Publikationszusage. Beiträge für Arbeit – Bewegung – Geschichte werden nicht honoriert. Manuskripte bitte per E-Mail, vorzugsweise als docx-Datei einsenden. Die ausgearbeiteten Beiträge sollen 50.000 Zeichen inkl. Leerzeichen nicht überschreiten.

Kontakt und Abgabe:

cfp@arbeit-bewegung-geschichte.de

Der Zeitplan in Kürze:
Einreichung der Exposés: 31. März 2022

Einreichung fertiger Beiträge: 31. Oktober 2022

Veröffentlichung des Schwerpunktheftes: Mai 2023